Mit 30 Profi-Tipps fürs Korrekturlesen lernst du, wie du deine Rechtschreibprüfung verbessern und auch in selbstgeschriebenen Texten mehr Rechtschreibfehler finden kannst.

Fehlerfreie Texte sind wichtig für den Eindruck, den wir bei unseren Leser*innen machen. Denn Untersuchungen zeigen, dass Fehler mit mangelnder Sorgfalt, minderer Qualität, Unzuverlässigkeit und einem niedrigen Bildungsniveau assoziiert werden.

Doch leider überlesen wir Fehler beim Korrekturlesen immer wieder, weil unser Gehirn darauf trainiert ist, den Lesevorgang möglichst schnell und störungsfrei zu gestalten. Das ist für uns beim alltäglichen Lesen zwar enorm zeit- und ressourcenschonend – muss beim Korrekturlesen aber erst mühsam ausgeschaltet werden.

Wer sich keinen Profi für die Korrektur der eigenen Texte leisten kann oder will, kann stattdessen auch die eigenen Fähigkeiten trainieren. Als Lektorin und Texterin habe ich einige Strategien parat, mit denen auch du dein Korrekturlesen verbessern kannst. Damit sorgst du für einen seriösen Auftritt und zeigst, dass dein Content hochwertig ist.

 

Inhaltsverzeichnis:

 

 

Die richtige Vorbereitung für konzentriertes Arbeiten

 

1. Sorge für einen bequemen Arbeitsplatz

  • Ein großer Bildschirm ist ideal für die Textarbeit. Wer auf seinen Laptop nicht verzichten will, kann sich einen zusätzlichen Bildschirm anschließen.
  • Achte auf eine gesunde Haltung beim Arbeiten (ob im Sitzen oder am Stehschreibtisch). Für Vielschreiber ist eine ergonomische Maus und Tastatur empfehlenswert. Ohne diese Kombi bekomme ich ruckzuck Schmerzen in den Handgelenken.

 

2. Schaffe eine ruhige Arbeitsatmosphäre

  • Korrekturlesen erfordert deine volle Konzentration. Schalte also dein Handy in den Nicht-Stören-Modus und schließe alle übrigen Anwendungen und Tabs.
  • Setz dir Kopfhörer auf, wenn du nicht allein in einem Raum bist. Eine Investition in ein Noize-Concelling-Modell mit hohem Tragekomfort hat sich bei mir voll ausgezahlt.
  • Konzentrationsfördernde Musik ist gut, allerdings sollte sie instrumental sein, damit dich der Songtext nicht ablenkt.

 

Die ideale Arbeitsweise beim Korrekturlesen

 

3. Lass deinen Text vor der Korrektur ruhen

Wenn du keinen Zeitdruck hast, solltest du genügend Abstand zwischen der Texterstellung und der Korrektur einplanen. Lasse den Text mehrere Stunden, oder noch besser Tage liegen, bevor du mit der Korrektur beginnst. So schaffst du die so wichtige Distanz zum Inhalt und deinen Formulierungen.

 

4. Plane mindestens zwei Korrekturdurchgänge

In der Regel wird beim ersten Korrekturdurchgang noch Einiges am Text verändert. Da können sich leicht neue Fehler einschleichen. Für den letzten Feinschliff solltest du deinen Text daher am besten ein zweites oder auch noch ein drittes Mal durchgehen.

 

5. Arbeite in Zeitblöcken

Korrekturlesen ist anstrengend, lege also regelmäßig kurze Pausen ein. Den Zeitblock kannst du timen (z. B. alle 25, 40 oder 50 Minuten) oder du gehst nach deinem Gefühl. Wichtig dabei ist: Wende dich in der Pause vom Bildschirm ab, das entlastet die Augen. Im Beitrag 25 kostenlose Texter-Tools, mit denen du effizienter arbeitest erfährst du, mit welcher App du deine Zeit tracken kannst und wie du deine Pausen sinnvoll nutzt.

 

6. Ändere die Schriftart oder den Bildschirm

Fehler finden sich leichter, wenn man einen frischen Text vor Augen hat. Diesen Effekt kannst du auch bei selbstgeschriebenen Texten erzeugen, indem du das Format möglichst verfremdest: Ändere die Schriftart und Größe des Textausschnitts. Wechsle das Medium, auf dem du liest, zum Beispiel vom großen Bildschirm aufs Handy oder Tablet. Du kannst dir den Text auch per Mail zuschicken oder ausdrucken und Fehler handschriftlich markieren. 

 

Ein Tipp fürs Korrekturlesen: Ergonomische Maus und großer Bildschirm am Arbeitsplatz

 

Die richtigen Einstellungen wählen

 

7. Arbeite am besten mit Word im Modus „Änderung nachverfolgen“

Heutzutage findet die Textarbeit überwiegend digital statt. Daher sollte auch die Korrektur digital ablaufen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es spart Druckerkosten, Papier und viel Zeit. Außerdem bieten die gängigen Softwares Funktionen, die die Textarbeit zusätzlich erleichtern.

 

8. Stell dir die Schrift richtig ein

  • Ideal für die Augen ist eine schwarze, gut lesbare Schrift (z. B. Arial) auf weißem Hintergrund.
  • Zoome die Seitengröße auf 140 bis 150 % heran. In Word findest du den Regler dafür unten rechts in der Leiste. Wenn du online Texte korrigierst, kannst du in deinen Browsereinstellungen auf das Pluszeichen bei „Zoomen“ drücken.

 

9. Mach dir Zweck und Kontext des Textes bewusst

Um welche Textsorte handelt es sich? Unter welchem Medium soll der Text verbreitet werden? Wer ist die Zielgruppe, wie soll sie angesprochen werden und was soll der Text bei ihr bewirken? Hinter diesen Fragen stehen die grundlegenden Anforderungen an deinen Text.

 

Auf was du bei der Korrektur achten solltest:

 

10. Achte auf dein Sprachgefühl …

… vertraue ihm aber nicht blind! Kommt dir eine Stelle irgendwie merkwürdig vor, dann schlag den Begriff nach. Denn beim Schreiben passiert es ab und zu, dass wir uns mit Wörtern vertun. Dann wählen wir ähnlich klingende Begriffe, die eigentlich was ganz anderes bedeuten, oder greifen versehentlich zur falschen Präposition. Solche Fehler sind auf dem ersten Blick nur schwer als solche zu erkennen, weswegen du besonders aufmerksam sein solltest.

 

11. Konzentriere dich zunächst auf die Lesbarkeit des Textes

  • Erfahrungsgemäß wird im ersten Korrekturdurchgang noch viel geändert, deswegen solltest du dich nicht zu lange mit der Recherche nach der richtigen Rechtschreibung aufhalten – denn du wirst die Textstelle vielleicht sowieso noch ändern.
  • Wichtig ist beim ersten Korrekturdurchgang eher der Blick auf das Ganze: Achte auf Aufbau, Verständlichkeit, Stichhaltigkeit und Stringenz.
  • Versuche dabei, den Text als Außenstehende*r zu betrachten. Frage dich also: Würde auch jemand, der keine Hintergrundinfos hat, den Text verstehen?

 

12. Bessere inhaltliche Schwächen aus

  • Kürze Passagen, die zu langatmig sind.
  • Führe zu kurz geratene Gedankengänge aus.
  • Formuliere unverständliche Textstellen um.
  • Bringe auf den Punkt, was du im Kern sagen willst.
  • Streiche unnötige Wiederholungen sowie Textstellen, die irrelevant sind.
  • Ergänze Hinweise für deine Leser*innen, die deine Vorgehensweise deutlich machen.

 

13. Überprüfe die Struktur des Textes

  • Gibt es eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss?
  • Ist die Reihenfolge der Informationen oder Kapitel sinnvoll?
  • Gibt es hilfreiche Absätze im Text, die deine Themenabschnitte und neue Gedankengänge deutlich machen?

 

Verbesserungen auf sprachlicher Ebene

 

14. Achte bei einzelnen Wörtern auf:

  • Flüchtigkeits- und Tippfehler
  • Groß- und Kleinschreibung
  • Getrennt- und Zusammenschreibung
  • Richtiger Kasus, Numerus und Genus bei Substantiven, Adjektiven, Artikeln und Pronomen
  • Konjugation der Verben
  • Die tatsächliche Bedeutung des Begriffs
  • Eine einheitliche Schreibweise (wenn mehrere möglich sind)

 

15. Achte innerhalb eines Satzes auf:

  • Vollständigkeit (Gibt es mindestens ein Subjekt und Prädikat?)
  • Subjekt-Verb-Kongruenz (Passt das Subjekt zum Prädikat?)
  • Die richtige Zeitform
  • Die richtige Wortreihenfolge
  • Einen zur Präposition passenden Kasus

 

16. Prüfe die Zeichensetzung auf:

  • Satzpunkte
  • Kommafehler
  • Unpassende Zeichen (z. B. falsche Doppelpunkte, unangemessene Ausrufezeichen)
  • Anführungszeichen
  • Kurzer Bindestrich oder Gedankenstrich
  • Runde oder eckige Klammern

 

Noch einmal in den Text eingreifen

Häufig fallen bei der Korrektur der eigenen Texte mehr als Fehler der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung auf. Um ein optimales Ergebnis zu erhalten, solltest du dich daher nicht davor scheuen, noch einmal beherzt in den Text einzugreifen.

 

17. Überarbeite den Text,

  • wenn es unangemessene oder unpassende Formulierungen gibt.
  • wenn du Passagen langatmig findest.
  • wenn dir unnötige Wiederholungen und Wortdopplungen auffallen.
  • bei nicht nachvollziehbaren Thesen oder Behauptungen.
  • wenn dir ein Argument nicht logisch erscheint.
  • wenn Sätze zu lang oder verschachtelt sind.
  • wenn nicht, nicht einheitlich oder falsch gegendert wurde.
  • wenn es zu viele Passivkonstruktionen gibt.
  • wenn du die Überschriften zu kurz/zu lang/zu vage oder unpassend findest.

 

18. Ergänze Text,

  • wenn du dir einen interessanteren Einstieg in die Thematik wünschst.
  • wenn du aktuelle oder praxisnahe Bezüge vermisst.
  • wenn Belege für zentrale Behauptungen fehlen.
  • wenn Fachbegriffe nicht erläutert werden.
  • wenn Zusammenhänge zwischen den Sätzen fehlen.
  • wenn Zitate oder wörtliche Rede zur Auflockerung sinnvoll wären.

 

19. Prüfe abschließend,

  • ob alle wichtigen Bestandteile vorhanden und korrekt sind (z. B. Titel, Inhaltsverzeichnis, Literaturverzeichnis, Erscheinungsdatum).
  • ob die Zitation einheitlich ist.
  • ob Abkürzungen richtig eingeführt und einheitlich verwendet wurden.
  • ob Namen, Titel und Quellenangaben stimmen.

 

Frau mit Lupe sieht genau hin, um Rechtschreibfehler zu finden

 

Korrektur-Tools nutzen: Wie kann ich meine Rechtschreibung überprüfen?

Beim letzten Feinschliff liegt der Fokus auf der Rechtschreibung. Die eigenen Texte online zu korrigieren bietet den Vorteil, dass man viele nützliche Tools verwenden kann. Ich stelle dir meine Favoriten vor, die ich für fast jede Korrektur nutze.

 

20. Nutze den Online-Duden, um einfache Rechtschreibfehler zu finden

Bei jedem Zweifelsfall sollte deine erste Anlaufstelle das Onlinewörterbuch vom Duden sein. Die Duden Rechtschreibprüfung ist kostenlos und du erhältst verlässliche Informationen zu Rechtschreibung, Grammatik und Bedeutung eines Wortes. Öffne dir am besten direkt zu Beginn der Korrektur die Website des Duden [LINK] und schlage alles nach, worüber du stolperst.

 

21. Recherchiere bei kniffligen Fällen bei Korrekturen.de oder bei Google

Die Fälle, bei denen du auf Anhieb keine Antwort im Duden findest, solltest du nicht einfach aufgeben. Du kannst bei Google die Rechtschreibung überprüfen, indem du dein Problem als Suchbegriff in Kombination mit „Duden“ oder „Korrekturen.de“ eingibst. Letzteres ist ein zuverlässiges Rechtschreibportal, auf dem Expert*innen Antworten auf konkrete Fragen rund um die deutsche Rechtschreibung geben.

 

22. Nutze die Rechtschreibprüfung in Word

Die meisten Schreibsoftwares wie Word bieten eine automatische Rechtschreibprüfung an. Viele grobe Schnitzer wie Tippfehler oder inkorrekte Groß- und Kleinschreibung lassen sich damit bereits während der Eingabe feststellen. Auch falsche Grammatik und Satzzeichen sowie umgangssprachliche Ausdrücke zeigt die automatische Korrektur an. Du solltest dieses hilfreiche Tool daher unbedingt nutzen – aber jeden Vorschlag auch selbst überprüfen. Denn das menschliche Auge kann damit nicht ersetzt werden.

 

23. Lass dir den Text bei Word laut vorlesen

Wenn du einmal prüfen willst, ob sich der Text wirklich flüssig anhört, kannst du ihn entweder selbst laut vorlesen oder ihn dir bei Schreibprogrammen wie Word auch vorlesen lassen. So bekommst du noch einmal einen anderen Sinneseindruck und kannst womöglich weitere Schwachstellen identifizieren.

 

Wie kann man seine Rechtschreibung verbessern?

Entscheidend für die Qualität der Korrektur ist das Wissen der korrigierenden Person. Je umfangreicher also dein Wissen über Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung ist, desto weniger Fehler wird dein Text am Ende haben. Dabei gibt es mehrere Methoden, wie du dein Rechtschreibwissen erweitern kannst.

 

24. Leg dir eine Liste mit den Schreibweisen oder Regeln an, über die du immer wieder stolperst

Noch aus meiner Anfangszeit habe ich mir angewöhnt, neben dem zu korrigierenden Text immer ein formloses Worddokument geöffnet zu haben, in dem ich schwierige Fälle und die recherchierte Lösung dazu festhalte. Denn manche Regeln oder Schreibweisen brauchen einfach länger, um im Gedächtnis haften zu bleiben. Es spart enorm viel Zeit, wenn du nicht jedes Mal erneut die Regeln recherchieren musst, sondern einfach in deiner Liste nachschlagen kannst.

 

25. Lade dir Listen mit den häufigsten Rechtschreibfehlern herunter

Solche Listen der häufigsten Fehler oder schwierigsten Wörter findest du auch im Internet, zum Beispiel vom Duden. Lade sie dir am besten herunter und lerne sie wie Vokabeln auswendig. So stellst du auch sicher, dass du dir nicht die falsche Schreibweise einprägst.

 

26. Lies Fachbücher über Sprache oder übers Korrekturlesen

Willst du deine Korrektur-Fähigkeiten auf Profiniveau anheben, kommst du nicht an der Lektüre von Fachbüchern vorbei. Es gibt eine Vielzahl an Werken, von allgemeinen zu spezifischen Fragen rund um die deutsche Sprache. Entscheide einfach danach, was dich am meisten interessiert oder wo du den größten Bedarf bei dir siehst.

 

27. Behalte bei jeder Lektüre die Korrektur-Perspektive im Hinterkopf

Generell verbessert Lesen die eigene Rechtschreibung ungemein. Wenn du gerade dabei bist, dich näher mit dem Thema Schreiben auseinanderzusetzen und deine Fähigkeiten in diesem Bereich zu trainieren, achtest du bei jeder Lektüre automatisch auf die sprachliche Form. Das verbessert langfristig deinen eigenen Stil sowie deine Rechtschreibung.

 

Hilfreiche Grundsätze und Routinen, um mehr Rechtschreibfehler zu finden:

Schreiben und Korrektur lesen sind Fertigkeiten, die du am besten weiterentwickelst, indem du sie regelmäßig nutzt und trainierst. Mit dem richtigen Mindset und praktischen Gewohnheiten im Alltag kannst du dich dabei stetig verbessern.

 

28. Gewöhne dir an, jeden verfassten Text noch einmal durchzugehen

Klingt simpel, erfordert aber Disziplin, die viele nicht aufbringen. Dabei wird sich die Zahl deiner Flüchtigkeitsfehler schnell reduzieren, wenn du das Korrekturlesen zum festen Bestandteil deiner Schreibroutine machst. Gewöhne dir also an, jeden Text noch einmal durchzulesen, bevor du ihn abschickst oder veröffentlichst.

 

29. Kontrolliere auch deine Korrekturen

Wenn du beim Korrekturdurchgang noch etwas umformulierst, solltest du mindestens den Satz noch einmal von vorne durchlesen. Denn selbst kleine Veränderungen müssen zur Grammatik des ganzen Satzes passen. Um Logik- oder Folgefehler zu vermeiden, prüfe am besten auch den Satz davor und danach noch einmal.

 

30. Verabschiede dich von deinem Perfektionismus

Lass dich nicht demotivieren, wenn du nicht auf Anhieb alle Fehler im Text findest. Vergleiche deinen Schreibstil auch nicht mit dem von Bestseller-Autor*innen. Denn hinter solchen Werken steht meist ein ganzes Team aus Lektor*innen, Korrektor*innen und Redakteur*innen. Schreib einfach, so gut du kannst, bleib am Ball und vergiss nicht, deine erbrachte Leistung auch wertzuschätzen.

 

Fazit

Rechtschreibfehler machen einen schlechten Eindruck. Daher sollte mindestens ein Korrekturdurchgang bei jedem Text selbstverständlich – egal, für welche Branche, Zielgruppe oder für welches Medium der Text bestimmt ist. Probiere ein paar Tipps fürs Korrekturlesen aus, um deine Rechtschreibfähigkeiten zu verbessern. So kannst du deine Arbeitsweise effizienter gestalten und weißt genau, worauf du bei der Korrektur achten musst. Das kann den Aufwand an Zeit und Mühe für die Korrektur der eigenen Texte erheblich verringern und ein optimales Ergebnis hervorbringen.