Was bietet die Selbstständigkeit: Vorteile, die mehr umfassen als flexible Arbeitszeiten? Ich teile mit dir, welche Vorteile ich als Freiberuflerin erst im Nachhinein festgestellt habe, aber gern früher gewusst hätte.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Warum sich selbstständig machen?

„Und, was möchtest du werden, wenn du groß bist?“ – „Selbstständig!“, hat wahrscheinlich noch kein Kind jemals geantwortet. Ich auch nicht. Und doch war mein Weg zur freien Lektorin und Texterin im Nachhinein betrachtet logisch, wenn auch alles andere als geradlinig.

Fast wäre ich Restauratorin geworden, fast Lehrerin, fast wissenschaftliche Mitarbeiterin, fast Verlagsangestellte. All diese Berufe haben etwas, das mich reizt, und doch habe ich mich anders entschieden oder es hat schlicht nicht mit der Bewerbung geklappt.

Doch heute weiß ich: Wie viele Menschen, die zur Scanner-Persönlichkeit neigen, wäre ich in einer Festanstellung langfristig nicht glücklich geworden. Denn Scanner sind eher vielseitig interessiert und begabt und legen sich deswegen ungern fest.

Sie halten nichts von starren Hierarchien und Strukturen, sondern brauchen Dynamik. Anstatt den Fokus auf eine lebenslange Berufung zu legen, mögen sie die Abwechslung, Vielseitigkeit und stetige Weiterentwicklung. Und genau dafür ist die freiberufliche Selbstständigkeit perfekt!

 

Selbstständig sein bedeutet Unternehmer*in sein

Es ist ein großes Unterfangen, sich selbstständig zu machen. Erfahrungen von anderen helfen oft bei der Entscheidung. Natürlich gibt es dabei Hürden und Risiken, die jede*r vor so einem gewaltigen Schritt gut abwägen sollte. Ein etwas leichterer Einstieg ist es, sich zunächst nebenberuflich selbstständig zu machen und zu sehen, ob diese Art zu arbeiten einem überhaupt liegt. So habe ich es neben meiner Promotion auch gemacht.

Allerdings brauchte es ehrlich gesagt etwas, bis mir die wahren Vorteile der Selbstständigkeit genauso wie die Herausforderungen bewusst wurden. Denn selbstständig zu sein bedeutet nicht nur flexible Arbeitszeiten zu haben, sondern vor allem auch Unternehmer*in zu sein.

Plötzlich musste ich regelmäßig Zeit in die Unternehmensentwicklung investieren und mir ganz neue Bereiche erschließen, die nichts mit meiner eigentlichen Tätigkeit als Lektorin und Texterin zu tun hatten. Also setzte ich mich mithilfe von Coachings, Seminaren und Kursen bewusst mit meiner neuen Rolle als Unternehmerin auseinander.

Dabei wurde mir erst richtig bewusst: Ein Grundwissen an BWL und Marketing ist für Freiberufler*innen genauso nötig wie ein gewisses Maß an Organisationsfähigkeit und Experimentierfreude. Und man braucht einen langen Atem, weil nicht alles von heute auf morgen funktioniert oder fertig ist. Wenn man das draufhat, dann macht die selbstständige Arbeit auch richtig Spaß.

 

Selbstständigkeit: Vorteile aus jahrelanger Erfahrung

Es gibt eine zentrale Erkenntnis, die für mich ein täglicher Motivator ist: Die Selbstständigkeit passt perfekt zu meinem Verständnis vom selbstbestimmten Arbeiten. Und es war ganz und gar kein Zufall, dass ich an diesem Punkt gelandet war. Denn als freie Lektorin und Texterin zu arbeiten, ist für mich Teil meiner Selbstverwirklichung. Die Selbstständigkeit bietet dabei den idealen Rahmen für die Aspekte, die mir für eine erfüllende Arbeit wichtig sind. Diese Aspekte teile ich gern mit dir:

 

1. Du kümmerst dich mehr um deine persönliche Entwicklung

Eine Freundin, mit der ich mich manchmal zum Coworking treffe, sagte neulich ganz überrascht zu mir, als ich wieder an meinem Kundenmagnet-Kurs von Lilli Koisser saß: „Du musst dich im Job aber viel mit dir selbst beschäftigen.“ Und das stimmt; im Laufe meiner Selbstständigkeit habe ich mich viel mehr mit Coaching, Selbstmanagement und Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt als jemals zuvor. Denn die Voraussetzung für ein laufendes Business als Solo-Selbstständige*r ist, dass du mit dir selbst im Einklang bist. Dass du dich magst und gut findest, was du tust. Denn nur so kannst du authentisch sein, was Kund*innen merken und honorieren.

Erst als Selbstständige habe ich mir Gedanken zu meinem Mindset gemacht. Erst als Selbstständige habe ich in dem Maße Lebensziele, persönliche Einstellungen und Glaubenssätze reflektiert. Denn das größte Kapital meines Unternehmens bin ich selbst, deswegen investiere ich gerne in mich, und zwar nicht nur in Form von Weiterbildung. Extrem wichtig sind auch die Selbstfürsorge und persönliche Entwicklung.

Schließlich muss ich sicherstellen, dass ich genug Kraft habe, um die täglichen Anforderungen bewältigen zu können, dass ich langfristig auch persönlich zufrieden bin und die Work-Life-Balance stimmt. Gute Arbeit setzt zufriedene Mitarbeiter*innen voraus, und das habe ich zum Glück voll und ganz selbst in der Hand.

 

2. Du bist dein größtes Kapital

Prominente Vorteile der Selbstständigkeit sind die enormen Freiheiten und die Flexibilität. Das gilt auch bei der beruflichen Entwicklung. Denn du kannst in alle Richtungen wachsen, dich immer wieder in neue Themen vertiefen, dich spezialisieren – und deine Spezialisierung auch wieder ändern. Für Menschen, die sich gern weiterbilden, weiterentwickeln und Neues lernen, sind das die besten Voraussetzungen.

Deswegen ist es für Solo-Selbstständige auch empfehlenswert, ihr Business und ihre Website unter ihrem eigenen Namen oder einem neutralen Namen laufen zu lassen. Mit meiner ersten Idee des Unternehmensnamens Strauss Lektorat hätte ich spätestens seit der Erweiterung meines Angebots auf Texterstellung und Blogging Probleme bekommen. Mit dem eigenen Namen als Aushängeschild können dagegen alle Angebote unter einem Dach laufen. So gibt es keine Einschränkungen auf eine Dienstleistung oder ein einziges Produkt, sondern die Freiheit, dass dein Unternehmen mit dir und deinen Interessen wächst.

Solo-Selbstständige sind ihre eigene Marke. Damit ist ihre Persönlichkeit, wirtschaftlich gesprochen, ihr bester Unique Selling Point (USP). Neben der Freiheit bei der beruflichen Entwicklung gehört dazu aber auch: die Verantwortung für den eigenen Ruf. Das heißt, dass du gut und authentisch in deinem Job sein musst, damit du gebucht, weiterempfohlen und wieder gebucht wirst. Du musst zusehen, dass du hervorragende Arbeit ablieferst, denn am Ende steht dein Name drauf. Als positiver Nebeneffekt wachsen damit oft nicht nur die Ansprüche an einen selbst, sondern auch die Qualität der Arbeit.

 

3. Es gibt eine ganz besondere Kund*innenbeziehung

Die Beziehung zwischen Solo-Selbstständigen und ihren Kund*innen ist oft eine besondere. Es hat gematcht, weil etwas passt, die Grundwerte stimmen und man sich gegenseitig sympathisch ist.

Aus Kund*innensicht bist du perfekt für den Job, schließlich wurdest du unter vielen anderen ausgewählt. Und das zu wissen, gibt einem ein gutes Gefühl bei der Zusammenarbeit und noch einen extra Motivationskick. Außerdem ist es etwas anderes, wenn du nicht über Dritte mit einem Projekt beauftragt wirst, wie es im Unternehmen oder bei Agenturen oft der Fall ist. Du bist nicht austauschbar oder eine*r von vielen, nein, der Kunde wollte dich. Das ist ein großer Vertrauensvorschuss, den man um jeden Preis gerecht werden will.

Auf der anderen Seite sind auch Selbstständige bei der Entscheidung für oder gegen einen Auftrag freier. Viele Selbstständige richten ihre Marketing-Strategie für ihr Online-Business so aus, dass sie von ihren Traumkund*innen gefunden werden. Und diese sind in der Regel wertschätzend und positiv in der Kommunikation. Gibt es dagegen schwierige Kund*innen, haben Selbstständige mit zunehmendem Erfolg die Freiheit, auch mal „Nein“ zu sagen und Aufträge abzulehnen.

Daraus ergeben sich viele Kundenbeziehungen, die auf Vertrauen und positiver Kommunikation basieren und oft langfristig sind.

Zufriedene Kundin spricht am Laptop mit ihrem Freelancer

4. Flexible Arbeitsgestaltung

Selbstständige haben die Freiheit, ihre Arbeit an ihr Leben und ihre Bedürfnisse anzupassen – und nicht umgekehrt. Diese Flexibilität ist es, die viele in die Selbstständigkeit lockt. Es gibt keine Arbeitsregeln, die wie an den Haaren herangezogen erscheinen und die es warum auch immer zu befolgen gilt. Wichtige private Termine können einfach im Kalender geblockt werden, ohne sich erklären und um Erlaubnis fragen zu müssen. Familien können gemeinsam in den Urlaub fahren, der Arbeitstag lässt sich frei einteilen und sogar Nachteulen können ein Leben im Einklang ihres Biorhythmus führen.

Diese Freiräume führen oft zu einer höheren Effizienz beim Arbeiten. Selbstständige sitzen nicht am Schreibtisch ihre Stunden ab und tun beschäftigt, während sie eigentlich nur noch auf den Feierabend warten. Wenn die Arbeit erledigt ist, gibt es keinen Grund, länger zu bleiben. Im Gegenteil: Viele arbeiten darauf hin, bei weniger Arbeitsstunden mehr Geld zu verdienen. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass du dich nicht nach Stunden bezahlen lässt – aber genau das hast du als Unternehmensleitung ja selbst in der Hand.

Doch auch diese Freiheiten bringen wieder Verantwortung mit sich. Als Freie könnte ich zum Beispiel im Sommer jeden Tag früher Schluss machen, um das gute Wetter zu genießen. Weil ich allein aber die Verantwortung für mein Business trage, müsste ich die Arbeit dann spätestens am Wochenende nachholen – oder mit weniger Umsatz rechnen. Daher ist ein ordentliches Maß an Disziplin und Organisationstalent für die Selbstständigkeit überlebenswichtig.

 

5. Dein Business, deine Regeln

Klar, es macht Spaß, ein eigenes Business aufzuziehen, die eigenen Ideen und Herzensprojekte zu verwirklichen und dabei völlig freie Hand zu haben. Doch darüber hinaus gibt es noch einen Vorteil der Selbstständigkeit, der oft in diesem Kontext vergessen wird: Du hast die Macht, die Arbeitsrealität zu verbessern. Denn mit jeder Entscheidung, die du triffst, kannst du etwas bewirken.

Du findest, Menschen sollten für ihre Arbeit angemessen bezahlt werden? Dann mache einen fairen Preis mit dir selbst und anderen aus und boykottiere Dumping-Preis-Anbieter*innen. Du findest toxische Verhältnisse am Arbeitsplatz furchtbar? Dann sorge für gerechte Arbeitsbedingungen, lass kein Mobbing und keine Diskriminierung zu. Lehne die Arbeit mit Menschen ab, die deine Werte nicht teilen, und gib vielleicht auch denjenigen eine Chance, die es in der Unternehmenswelt aus ungerechten Gründen schwerer haben.

Selbstständig zu sein bedeutet, auch selbstständig Entscheidungen treffen zu können. Das Tolle ist: Diese Entscheidungen können ganz im Einklang mit deiner persönlichen Arbeitsethik sein.

 

6. Du wirst Teil eines inspirierenden Netzwerks

Eine der für mich überraschendsten Erkenntnisse nach meinem Sprung in die Selbstständigkeit war, dass man gar nicht allein ist, sondern Teil eines großen Netzwerks von Freiberuflichen. Denn Kontakte sind wichtig für viele Selbstständige, deswegen pflegen die meisten ein gutes Netzwerk. Dieses ist oft bereichernd, denn es gibt nicht immer den gleichen Kolleg*innenkreis oder ähnliche Kund*innen; vielmehr lernt man immer wieder neue Menschen kennen, mit denen der Austausch inspirierend ist.

Dabei lassen sich in der Regel zwei Netzwerke unterscheiden: Zum einen entwickelst du Kontakte zu branchennahen anderen Freiberuflichen. Auf Tagungen, in Foren, Facebookgruppen, Berufsverbänden oder bei Projekten triffst du immer wieder auf Gleichgesinnte. Der Austausch untereinander ist wichtig, um sich Tipps zu geben und einander zu unterstützen, aber auch um sich vielleicht Aufträge zu teilen oder Arbeitskontakte herzustellen.

Neben diesem kleinen Kreis gibt es auch einen größeren Diskurs, mit Selbstständigen aus vielen unterschiedlichen Branchen. Meetingpoints gibt es z. B. in Coworking-Spaces, bei Coachings oder auf Social Media. Die Menschen kommen dort zusammen, weil sich viele Unternehmensinteressen von Selbstständigen überschneiden. Fast alle müssen sich z. B. mit Branding, Marketing oder Buchhaltung auseinandersetzen. Meiner Erfahrung nach ist die Atmosphäre dabei häufig auffallend gut, der Diskurs ist wertschätzend, kreativ und intelligent.

 

Du bist selbstständig – aber nicht allein

Bist du selbstständig und wünschst dir ein größeres Netzwerk? Dann fang noch heute mit Networking an. Der erste Schritt ist, sich selbst sichtbar zu machen, aktiv auf andere Selbstständige zuzugehen. Warte nicht darauf, dass du angeschrieben wirst, sondern ergreife die Initiative. Denn auch als Solo-Selbstständige*r muss man nicht immer nur für sich allein bleiben. Sieh andere deiner Branche nicht als Konkurrent*innen, sondern als Kolleg*innen und vernetze dich mit ihnen. Schließlich spricht nichts dagegen, hin und wieder in Kollaborationen zu arbeiten oder sich gegenseitig Kund*innen zu vermitteln.

Du musst auch nicht allein für dich und deine Rechte kämpfen. Fast jede Branche ist vernetzt. Informiere dich und werde Mitglied in einem Berufsverband. Und: auch Selbstständige haben eine Lobby, den VGSD. Deren Mitglieder engagieren sich nicht nur politisch für die Rechte von Selbstständigen, sondern bieten auch Netzwerk-Tage, Expertentalks und juristische Beratung an. Dort kannst du sogar kostenlos Community-Mitglied werden.

 

Tipps für Selbstständige

  • Betreibe Selbstfürsorge. Kümmere dich um dein Wohlbefinden, sorge für die idealen Arbeitsbedingungen und achte auf eine gesunde Work-Life-Balance. Denn du bist dein stärkstes Kapital.
  • Investiere in dich. Spare nicht bei Weiterbildungen oder Coachings, denn dein Unternehmen steht und fällt mit deiner Profession.
  • Denke als Unternehmer*in. Definiere regelmäßig deine Ziele, plane, wie du sie erreichen kannst, und kontrolliere deinen Fortschritt.
  • Spezialisiere dich. Für Solo-Selbstständige ist es häufig profitabler, sich auf eine Nische auszurichten. Doch vergiss nicht: Nichts ist in Stein gemeißelt. Du kannst deine Spezialisierung auch wieder ändern.
  • Richte dein Unternehmen nach deinen Traumkund*innen aus. Und sage auch mal „Nein“ zu Lastkund*innen.
  • Passe deine Arbeit an deine Lebensumstände und Bedürfnisse an. Befreie dich von konventionellen Vorstellungen, wie, wann und wo Arbeit zu verrichten ist. Solange du produktiv bleibst und deine Ziele erreichst, ist dein Weg der richtige.
  • Pflege ein gutes Netzwerk, um dir Unterstützung, Tipps und Inspiration zu holen.

 

Fazit: Warum sich selbstständig machen?

Nicht selbst und ständig, sondern frei und dynamisch sollten die Wortpaare sein, die mit Selbstständigkeit assoziiert werden. Denn die Selbstständigkeit bietet für viele den idealen Rahmen, um sich selbst zu verwirklichen und dabei im Gleichgewicht mit den persönlichen Bedürfnissen zu arbeiten. Das sind die besten Voraussetzungen für ein erfülltes Berufsleben – wenn das nötige Maß an Selbstdisziplin, Organisationstalent, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein gegeben ist. Dazu gehört ein gutes Gespür für das eigene Empfinden und die stetige Auseinandersetzung mit sich selbst, der Zielgruppe und der Unternehmensausrichtung. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht dem Schritt in die Selbstständigkeit nichts mehr im Wege.